rbb online

rbbonline | Organisation | ARD und rbb

Rundfunk Berlin-Brandenburg
Rundfunk Berlin- Brandenburg
ARD Play-Out-Center (Quelle: rbb/Anna-Katharina Schulz)

Das ARD Play-Out-Center

Das ARD Play-Out-Center Potsdam, für das der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) die Federführung innerhalb der ARD wahrnimmt, gewährleistet in Zusammenarbeit mit allen Landesrundfunkanstalten die Erstellung sowie die sendetechnische Abwicklung einschließlich Codierung, Bündelung und Ausstrahlung des Programmbouquets ARD Digital.

Digitale Programmfamilie
Die digitale Programmfamilie der ARD umfasst seit der Internationalen Funkausstellung 2005 sämtliche Fernseh- und Hörfunkprogramme der Landesrundfunkanstalten der Gemeinschaft sowie zahlreiche interaktive Dienste, die parallel zur Verfügung stehen. Die ausschließlich digital verbreiteten TV-Programme EinsExtra, EinsPlus und EinsFestival sowie die interaktiven Extras werden vom Play-Out-Center realisiert, herausgegeben und ausgestrahlt. Zu den weiteren Aufgaben der Potsdamer Gemeinschaftseinrichtung gehören die Erfassung und redaktionelle Aufbereitung der SI-Daten (Service Information) für alle Fernseh- und Hörfunkprogramme der ARD.

Die Redaktion Interaktive Dienste im Play-Out-Center erfüllt diese Aufgaben mit Hilfe redaktioneller Tools und der technischen Produktionsumgebung in Zusammenarbeit mit den Landesrundfunkanstalten.

Im Jahr 1997 mit 14 Mitarbeitern gestartet, beschäftigt das ARD Play-Out-Center Potsdam mittlerweile 60 feste und freie Mitarbeiter, um die Aufgaben in den Redaktionen, der DVB-Systemplanung, der Sendeabwicklung und der Produktionsleitung erfüllen zu können.

Darüber hinaus wirkt es bei der grundsätzlichen Entwicklung der technologischen Rahmenbedingungen für das digitale Fernsehen mit. Von seinen Erfahrungen profitieren auch alle Landesrundfunkanstalten, wenn es beispielsweise um die Einführung von DVB-T oder um die Konzeption und Einbindung interaktiver Dienste geht.

Das ARD Play-Out-Center arbeitet eng mit der DVB-Koordination der Programmdirektion Erstes Deutsches Fernsehen, den Landesrundfunkanstalten und dem Institut für Rundfunktechnik zusammen und entwickelt Strategien für den bis zum Jahr 2010 geplanten flächendeckenden digitalen »Switch-Over«, d.h. den endgültigen Umstieg auf die digitale Verbreitung der TV-Programme in Deutschland.

Dabei sind nicht nur Aufgaben auf Seiten der Programmveranstalter zu berücksichtigen, sondern auch die Erwartungen der Zuschauer, die langfristig ihre analogen Empfangsgeräte durch digitale austauschen werden.

Heute können bereits ca. 20 Prozent aller deutschen Fernsehhaushalte ARD Digital empfangen, kostenlos und unverschlüsselt – ob über Satellit (DVB-S), Kabel (DVB-C) oder in Teilen über terrestrische Sender (DVB-T). Während des derzeitigen digitalen Simulcast-Betriebs, d.h. parallel zur analogen Ausstrahlung, leistet das ARD Play-Out-Center die Codierung, Bündelung und Verbreitung über Satellit und Kabel für die TV-Programme MDR FERNSEHEN, NDR Fernsehen, rbb Fernsehen und SÜDWEST Fernsehen Rheinland-Pfalz.

Die übrigen TV- und Radio-Angebote im digitalen Programmbouquet der ARD, darunter die in Kooperation mit dem ZDF bzw. weiteren Partnern veranstalteten Programme PHOENIX und ARTE, werden vom ARD Compression-Center beim HR in Frankfurt am Main sowie über einen Uplink des WDR in Langenberg bereitgestellt. Die Programme 3sat und KI.KA werden vom Kooperationspartner ZDF in Mainz ausgestrahlt.

Das ARD-Play-Out-Center Potsdam wurde am 1. Juli 1997 vom ORB (Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg), einem Vorgänger des rbb, eingerichtet. Nur wenige Wochen später, am 29. August, startete die ARD ihr Programmbouquet im Probebetrieb zur Internationalen Funkausstellung in Berlin – u. a. mit den schon erwähnten Zusatzangeboten EinsExtra, EinsMuXx (heute EinsPlus) und EinsFestival sowie mit Prototypen multimedial gestalteter interaktiver Dienste wie einer Elektronischen Programmzeitschrift (EPG / Electronic Programme Guide).

ARD Digital wird seit dem Start unverschlüsselt über Satellit ausgestrahlt. Wenig später folgte bundesweit die Verbreitung in den digitalen Kabelnetzen. Am 1. Januar 2001 wurde das digitale Programmbouquet der ARD in den Regelbetrieb übergeleitet – mit damals 17 Fernsehprogrammen, 22 ausgewählten Hörfunkangeboten und mehreren interaktiven Diensten.

Seit 2002 wird ARD Digital in Teilen auch terrestrisch verbreitet, anfangs in Pilotprojekten, heute in den bereits ausgebauten DVB-T-Versorgungsgebieten.

EinsExtra, EinsPlus und EinsFestival: Die drei nur digital verbreiteten Fernsehprogramme der ARD
Die Programmphilosophie von EinsExtra, EinsPlus und EinsFestival zielt darauf ab, den Zuschauern mehr von den programmlichen Stärken der ARD zu bieten. Dabei wird sowohl aktuelles als auch in den Archiven der Landesrundfunkanstalten vorhandenes Programmvermögen des Ersten, der Landes- und Regionalprogramme ausgewertet.

Wegen der wachsenden Bedeutung des digitalen Fernsehens und unter Berücksichtigung neuer Sehgewohnheiten der Zuschauer haben drei Landesrundfunkanstalten die programmliche Federführung für jeweils eines der digitalen Gemeinschaftskanäle übernommen: der NDR für EinsExtra, der SWR für EinsPlus und der WDR für EinsFestival.

Um diese Fernsehprogramme produzieren und ausstrahlen zu können, gibt es im ARD Play-Out-Center drei Sendestraßen mit modernster digitaler Aufzeichnungs-, Bearbeitungs- und Sendetechnik. Für die Zusammenstellung dieser TV-Angebote aus den Programmzulieferungen aller Landesrundfunkanstalten verfügt das Play-Out-Center über zukunftsweisende Technologien und eine ausgefeilte Logistik.

Der größte Teil der Sendungen wird als Mitschnitt der analogen Satellitenverbreitung aufgezeichnet. Einzelne Sendungen kommen vor ihrer Ausstrahlung entweder über das ARD-Glasfasernetz HYBNET oder als Sendeband nach Potsdam und werden dort ebenfalls auf Servern mit einer Gesamtkapazität von derzeit 3,7 Terrabyte aufgezeichnet.

EinsExtra unter Federführung des NDR ist das Informationsprogramm im digitalen Programmbouquet und bündelt täglich das ganze Spektrum der ARD-Berichterstattung. Mit stündlichen Ausgaben der »Tagesschau«, den »Tagesthemen« und dem »Nachtmagazin« erhält der Zuschauer hier die aktuellen Nachrichten aus aller Welt.

ARD-aktuell, die Nachrichtenzentrale der ARD, informiert exklusiv um 18.00 Uhr in einer einstündigen Zusammenfassung des Tages. Zwischen den Nachrichtensendungen setzt EinsExtra inhaltliche Schwerpunkte nach festen Rubriken, in denen Dokumentationen, Reportagen oder Diskussionsrunden aus dem Ersten, den Dritten und den Regionalprogrammen gezeigt werden. Dazu gehören »Themen der Woche«, »Deutschland & Europa«, »Wirtschaft & Börse« oder »Politik im Gespräch«.

Parallel zum laufenden Programm kann sich der Zuschauer jederzeit einen Überblick über das aktuelle Zeitgeschehen verschaffen: Neben dem interaktiv aufrufbaren EinsExtra-Ticker (MHP) mit zahlreichen Meldungen bietet die seit dem 29. Oktober 2005 aufgeschaltete Informationsleiste wichtigste Schlagzeilen und Kurzmeldungen aus der Online-Redaktion „www.tagesschau.de“.

Zum selben Zeitpunkt haben auch EinsPlus und EinsFestival ihre programmlichen Profile geschärft: EinsPlus das unter Federführung des SWR steht, ist der Ratgeber- und Service-Kanal der ARD-Programmfamilie. Dem Zuschauer werden rund um die Uhr Service- und Ratgeber-Sendungen des Ersten und der Landesprogramme angeboten.

Mit Hilfe der eingängigen Programmplanungsstruktur kann er ein sowohl auf die individuelle Lebenswelt als auch den persönlichen Lebensrhythmus abgestimmtes Serviceprogramm nutzen. Zu den Themen „Gesundheit“, „Natur“, „Reise“, „Kochen“, „zu Hause“ und „Wissen“ werden wochentags täglich sechs je vierstündige Programmblöcke angeboten, die sich innerhalb der Programmwoche zeitversetzt wiederholen. Am Sonntag werden thematische Schwerpunkte ausgestrahlt.

EinsFestival zeigt unter Federführung des WDR ein vielfältiges Programmangebot für das jüngere Publikum mit Highlights aus Kultur sowie Dokumentationen. Der Schwerpunkt Kultur setzt ebenso auf Spielfilm-Klassiker wie auf den Jungen Film, auf klassische Musik ebenso wie auf Rock, Pop und Jazz. Hinzu kommen täglich ab 21.45 Uhr Comedy-Sendungen wie „Dittsche“, „Mitternachtsspitzen“ oder „Nightwash“, „Harald Schmidt“, „Extra 3“, „Late Lounge Club“ oder „Polylux“ sowie um 23.00 Uhr Doku-Soaps. Das Spektrum der Dokumentationen auf EinsFestival montags bis donnerstags um 20.15 Uhr reicht von Geschichts-, Natur-, Tier-, Landschafts- und Reisethemen bis hin zu Porträts.

Interaktive Dienste: vier Arten der Programmbegleitung
Mit ihrem digital verbreiteten Programmbouquet ist die ARD Deutschlands führender Veranstalter insbesondere auch für interaktive Dienste, die auf Basis des europäischen Standards Multimedia Home Platform (MHP) übertragen werden.

Diese Dienste können vom Zuschauer parallel zum Fernsehbild mit der Fernbedienung aufgerufen werden. Die zahlreichen interaktiven Dienste der ARD lassen sich in vier Kategorien aufteilen:

ständig aufrufbare Dienste, etwa das interaktive TV-Portal mit der Elektronischen Programmzeitschrift und aktuellen Nachrichten sowie der multimedial gestaltete ARD-Online Kanal,
begleitende interaktive Dienste zu einzelnen TV-Kanälen, beispielsweise Nachrichten-Ticker,
begleitende interaktive Dienste zu besonderen Sport-Ereignissen wie der Tour de France 2004/2005, den Olympischen Sommerspielen 2004 oder der Fußball-EM 2004,
begleitende interaktive Dienste zu bestimmten regelmäßig ausgestrahlten Sendungen wie »Presseclub«, »FAKT«, »Verstehen Sie Spaß?« und »Das Quiz mit Jörg Pilawa«.
Die Rückkanal-Technologie eröffnet weitere Möglichkeiten der Interaktion. Die Sendung »Verstehen Sie Spaß« zeigte dies erstmals zur Internationalen Funkausstellung 2005 in Berlin. Zwei der sportlichen Höhepunkte, die im Jahr 2006 von interaktiven Diensten begleitet werden, sind die Olympischen Winterspiele in Turin und die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland.

Technik: DVB-Systemplanung und –Service
Für den reibungslosen Betrieb im ARD Play-Out-Center Potsdam sind ein regelmäßiger technischer Service und die Instandhaltung aller technischen Anlagen erforderlich. Neue Inhaltskonzepte für das digitale Fernsehen erfordern zusätzliche Planungen. Die Betreuung der vielfältigen Ausstattung beginnt bei der klassischen Studiotechnik mit Videoserverinstallationen und Sendeautomationstechnik.

Ferner sind umfangreiche Datenbanken zur Zusammenstellung der Programminformationen aller Sendungen und der interaktiven Zusatzdaten zu pflegen. Mit speziellen Managementsystemen erfolgt die Generierung der SI Daten für die Angebote von ARD Digital, die über DVB-S und DVB-C ausgestrahlt werden, sowie für die ARD-Programme in den DVB-T-Versorgungsgebieten.

Alle TV- und Hörfunksignale sowie sämtliche Zusatzdaten werden über ein DVB-S-Multiplexsystem zusammengeführt. Die Fernseh- und Hörfunkprogramme müssen dazu vorher noch nach dem MPEG Standard (MPEG steht für Motion Picture Expert Group) komprimiert und für das DVB-Übertragungsverfahren aufbereitet werden.

Nach diesem als Multiplexing bezeichneten Vorgang erfolgt die Übertragung der »gebündelten« Signale über den digitalen Uplink zum Satelliten ASTRA 1H. Besondere Anforderungen bestehen an die Betriebssicherheit des Gesamtsystems und an den Service, da im Ausgangssignal viele Programme enthalten sind. So sind mehrere Backupsysteme und Server-Cluster parallel im Einsatz.

2004/05 wurden wie in den Jahren zuvor wichtige technische Neuerungen realisiert. Dazu zählen etwa die digitale Zuführung aller Programme zum ARD Play-Out-Center Potsdam über den HYBNET-Verteilring der ARD, die Erneuerung der Hardware für die Programmdatenbanksysteme, die Vorbereitungen für den zur Funkausstellung in Betrieb genommenen ARD-Hörfunk-Transponder, die Entwicklung einer mit allen Landesrundfunkanstalten vernetzten Programmplanungs-Software sowie die Ausstrahlung von Dolby-Digital-Ton.

Stand vom 22.08.2006

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 22.08.2006 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/unternehmen/organisation/ard_und_rbb/das_ard_play_out_center.html

Fenster schließen!