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Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg eröffnet, ist sicher auch mit Protesten der Fluglärmgegner zu rechnen. Seit Donnerstag wissen die Bürger in der Region, auf welchen Wegen die Flugzeuge in Schönefeld starten und landen.
Mit der Festlegung der Flugrouten durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) sehen sich viele Anwohner getäuscht. Sie hatten jahrelang nicht damit gerechnet, vom Fluglärm betroffen zu sein.
Die Politik versucht inzwischen offenbar zu beruhigen. Die Rede ist von "Nachbesserungen".
Flugaufsicht verteidigt Entscheidung
Was der Direktor der Bundesaufsicht für Flugsicherung (BAF), Nikolaus Herrmann, sagt, ist auch den Kritikern klar: "Wo ein Flughafen ist, ist auch Fluglärm."
Die Entscheidung seiner Behörde folge fast komplett den Vorschlägen der Deutschen Flugsicherung (DFS), die diese in monatelangen Beratungen mit Vertretern von Gemeinden und Luftverkehrsbranche erarbeitet habe.
Viele Bürger rechneten aber mit einem vergleichbaren Betrieb wie auf dem jetzigen Flughafen Schönefeld und nicht damit, dass die Flugrouten sich aufgrund der Dimensionen ändern könnten.
Erst 2010 wurden erstmals enstprechende Pläne öffentlich.
Ramsauer und Wowereit wollen Überprüfung
Sowohl Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) als auch Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit (SPD) sagten inzwischen Nachbesserungen zu.
Dem rbb sagte Ramsauer am Donnerstag, nichts sei in Stein gemeißelt. Die Flugverfahren würden in Zukunft in einem laufenden Beurteilungsprozess ständig bewertet und verbessert.
Auch Wowereit betonte im rbb, dass es in der Praxis noch Veränderungen geben werde. Neben den Flugrouten sei auch entscheidend, wie die Flüge von der Flugsicherheit gesteuert würden. Gemeinsames Ziel aller Beteiligten müsse sein, die Belastungen durch Fluglärm so gering wie möglich zu halten.
Grüne fordern frühere Festlegung
Das Projekt BER gerät dadurch nach Ansicht von Experten rund vier Monate vor Eröffnung nicht mehr in Gefahr. Möglicherweise verringert ein Erfolg der Kläger aber die Zahl der Flüge, hieß es.
Wenn der neue Flughafen am 3. Juni in Betrieb geht, werden teilweise andere Brandenburger Gemeinden und Berliner Stadtteile überflogen als jahrelang angenommen.
Als Konsequenz forderten unter anderem die Grünen im Bundestag, Flugrouten künftig schon in der Planfeststellung festzulegen und nicht erst kurz vor der Inbetriebnahme.
Die verkehrspolitische Sprecherin der Linken in Potsdam, Wehlan, erklärte, es sei vorher klar gewesen, dass mit der "unsäglichen Standortwahl" erhebliche Lärm- und Gesundheitsbelastungen nicht mehr vermeidbar seien.
Alle 90 Sekunden
Blankenfelde-Mahlow gilt als die Gemeinde, die am schlimmsten vom Fluglärm betroffen sein wird. Ab BER-Eröffnung fliegt vermutlich alle 90 Sekunden ein Flugzeug in bis zu 200 Meter Höhe über den Ort.
Damit werde Blankenfelde-Mahlow im Landkreis Teltow-Fläming zu Deutschlands lautestem Ort, sagte Bürgermeister Ortwin Baier.
Dagegen will sich Baier vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wehren. "Unser Anwalt schreibt bereits an der Verfassungsbeschwerde. Wir fürchten massiv um die gesundheitliche Unversehrtheit der Einwohner", erklärte der SPD-Politiker am Freitag.
Mehrere Gemeinden und Initiativen hatten bereits angekündigt, juristische Schritte gegen die Flugrouten einzuleiten. Die Bürgerinitiativen aus Berlin-Friedrichshagen und aus Rangsdorf wollen mit ihren Anliegen vor die EU-Kommission ziehen.
Die Routen im Einzelnen
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© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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