Nächste Sendung am 04.06.2012 22:15 Uhr
Fluss in Not - Rettungspläne für die Spree
Die Spree soll wieder sauber werden: ein Fluss mit attraktiven Bädern für die Berliner und ein lebensnotwendiger Wasserspender für Landwirtschaft und bedrohte Ökosysteme wie den Spreewald. Noch ist die Spree im Sommer voller Schlamm und Algen und fließt kaum. In ihrem Wasser kämpfen seltene Tiere und Pflanzen ums Überleben. Probleme, die auf den Fehlern vieler Generationen beruhen. In Brandenburg wurde der natürliche Flusslauf durch Bergbau und Landwirtschaft zerstört. In Berlin spült oft Starkregen zu viel Schmutz in das Wasser. Wissenschaftler entwerfen Modelle für einen Fluss in Zeiten des Klimawandels und erfinden Berlins Abwassersystem neu.
Wasser sparende Wehre, die Renaturierung eines Teilstücks der Spree und die Rückkehr des Flusses in ein neues, kleineres Bett sollen den Fluss beleben. In Berlin setzt man auf das Projekt Spree 2011, das die Verschmutzung durch Wasser aus der Kanalisation beenden soll. Dann wäre das Baden unterm Fernsehturm keine unerreichbare Utopie mehr: In fünf Jahren schon könnte es wieder Flussbäder geben …
Regenflut aus der Kanalisation
Wenn es in Berlin heftig regnet, läuft an vielen Stellen in der Berliner City die Kanalisation über. 30 bis 40 Mal geschieht das pro Jahr. Ein Gemisch aus Regen, Abwasser und Jauche ergießt sich an über 100 Stellen in der Stadt in die Spree und in den Landwehrkanal. Im Extremfall kann das zu einem Fischsterben führen. Es ist einer der Gründe für den schlechten Zustand des Flusses im Berliner Zentrum. Wir begleiten Experten des Kompetenzzentrums Wasser an einem Unwettertag. An vielen Stellen im Berliner Mischwasserkanalnetz wurden bereits mit großem Aufwand zusätzliche Zwischenspeicher gebaut.
Neue Spreebäder
Seit 2001 träumt der Berliner Landschaftsarchitekt und Umwelttechniker, Ralf Steeg, vom „Baden in der Spree“. Kaum ein Berliner kann sich noch erinnern, dass es einst über 35 Flussbäder in Spreeathen gab. Ralf Steeg ist es mit seinem Verein SPREE2011 gelungen, dass sich die Berliner wieder für die Sauberkeit ihres Flusses interessieren. Mit seinem weltweit ersten Überlaufspeicher im Fluss will er der Vision Spreebaden ein Stück näher kommen. Im Berliner Osthafen, in der Nähe zum Badeschiff, steht das Pilotprojekt kurz vor der Einweihung.
Die Spree im Wandel
Berlin verdankt der Spree ihren Ursprung und ihren Aufstieg. Doch die Stadt ist den Dank dafür bis heute schuldig geblieben. Lange hat Berlin die Spree vor allem als Schifffahrtsweg genutzt und seine Ufer verbaut. Außerdem wurde der Berliner Spreelauf im 19. Jahrhundert stark begradigt, durch Schleusen und Wehre angestaut. Kommunale und Industrieabwässer ließen die Wasserqualität immer schlechter werden. Heute gehört die Spree zwar wieder zu den saubersten Tieflandflüssen, doch im Berliner Spreeabschnitt gibt es noch viel zu tun.
Baden ohne Bakterien?
Die träge Innenstadt-Spree besteht in dürren Sommerwochen zum großen Teil aus gereinigtem Abwasser des Klärwerkes Münchehofe. Es ist das einzige, das seine Vorflut direkt in die Stadtspree entlässt. Trotz modernster Technik verbleiben darin noch zu viele Algen fördernde Nährstoffe, aber auch Bakterien und Hormone. Sie verbieten bisher auch jegliche Badegenehmigung im Innenstadtbereich. Die Berliner Wasserbetriebe testen deshalb verschiedene neue Hightech-Verfahren zur Phosphorbeseitigung und Abwasserdesinfektion.
Sandstrände im Stadtzentrum?
Kann die Spree wieder ein lebendiger Fluss werden? Vor den Toren Berlins wird mit der Renaturierung viel getan. Doch im Zentrum ist das schwierig. Eine Kultur direkt am Wasser bedient alte Sehnsüchte nach richtigen Spreebädern. Musikbars mit „Strand“ kommen und gehen. Auch die moderne Architektur dreht an vielen Stellen Berlin endlich zum Fluss, und gestaltet schicke Uferbereiche. Doch sie sind weiter aus Stein und Beton. Sonst wäre die Standfestigkeit der umliegenden Häuser in Gefahr. Aber wenigstens für die Vorstadt- und Müggelspree will die Berliner Senatsverwaltung wieder natürliche Ufer mit grünen Bereichen schaffen.