rbb Fernsehen

rbbonline | Archiv

OZON UNTERWEGS
OZON UNTERWEGS

Mo 30.01.12 22:15

Tödliche Wildnis Oderbruch

Als 1744 die Maler Pesne und Knobelsdorff das Oderbruch bereisten, war es wie viele andere Landschaften Preußens Sumpfland mit Fisch- und Vogelreichtum, aber auch voller Fiebermücken und Raubtiere.

Immer wieder gab es Überschwemmungen, die auch den von Friedrich II. betriebenen militärischen Wegebau störten. Andererseits waren die Auen die einzigen Gebiete mit fruchtbaren Böden gegen die Hungersnöte.

Manuskript:

Es war ein Ort über dem sich die Nebel drehten. Undurchdringbar, übelriechend, voller Gefahren. Eine Wildnis aus Wasser und Morast. Wo Schilf und Gras wuchsen, neben dichtem Unterholz und Erlen. Bis an Wriezen und Freienwalde reichte der Sumpf heran. Nach jedem Hochwasser suchte sich die Oder einen neuen Lauf. Ein Labyrinth von Nebenarmen, die mit ihren Windungen zahllose Inseln schufen. Raubtiere hatten hier ihren Schlupfwinkel. Im Wasser tummelten sich unvorstellbar viele Krebse und Fische. Und überall Wasservögel.

„Dicke Säulen von Mücken“ machten ein Geräusch, „als würden in der Ferne die Trommeln gerührt“. Auch die Anopheles-Mücke gab es hier, die Malaria überträgt. Überall in Preußen konnte man Mitte des 18. Jahrhunderts solche Landschaften finden wie das Oderbruch: rund 60 Kilometer lang, 16 Kilometer breit. Vor allem in seinem niederen Teil von Küstrin bis Oderberg lag das Land nur wenig Meter über dem Meeresspiegel.

Zwei Mal im Jahr, im Frühjahr und im Sommer; stieg das Wasser bis zu dreieinhalb Meter hoch. Verursacht durch Schneeschmelze und Unwetter in den Mittelgebirgen. Besonders verheerend war es1736, nur vier Jahre vor der Thronbesteigung Friedrich II. Wie bei der Flut 1947 mag es damals ausgesehen haben. Über Hundert Menschen starben, Hunger und Krankheiten herrschten.

170 Familien, vor allem Fischer, lebten 1745 im Bruch, wie frühe Bilder von Knobelsdorff und Pesne erzählen. Das Kietz in Freienwalde. Schutzsuchend schmiegen sich die Häuser an den Hang, der Sumpf reicht bis zum Stadtrand. Die Bruchdörfer auf sandigen Anhöhen. Kleine Wälle aus Kuhmist sollten vor dem Wasser schützen.

Schon seit dem 16. Jahrhundert hatte es vereinzelte Versuche gegeben, die Oder zu bändigen. Besonders im südlichen Teil wurden Nebenarme abgeriegelt, Sommerdeiche errichtet. Sie sollten die Festung Küstrin und die für Handel und Militär wichtige Straße über Seelow nach Berlin schützen. Doch alles war nur Stückwerk. Der Sumpf und die Überschwemmungen blieben.

Doch auch im niederen Bruch hatten Adlige wie Samuel von Marschall aus Altranft, schon unter Friedrich Wilhelm, dem Soldatenkönig, damit begonnen, ihre Ländereien so geschickt einzudeichen, dass sie dem Hochwasser trotzten. Auf dem fruchtbaren Boden Gemüse und … gedieh. Was im Kleinen möglich war, sollte auch im Großen gelingen.

Ein Bericht von Iduna Wünschmann.

Dieser Text gibt den Sachstand vom 30.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_unterwegs_am13/toedliche_wildnis.html

Fenster schließen!