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Die ältesten Eichen der Schorfheide haben im 17. und 18. Jahrhundert die Klimaextreme der zu Ende gehenden Kleinen Eiszeit miterlebt, mussten sich an Epochen von Kälte, Hitze und Trockenheit anpassen. Ihre genetischen Ressourcen gelten deshalb als besonders variabel.
Eberswalder Forstwissenschaftler erforschen und nutzen solche erhöhten Stresstoleranzen in Waldbaustrategien für den künftigen Klimawandel und hoffen durch Samen- und Reisergewinnung vitale Nachkommen zu ziehen.
Manuskript:
Eine Rettungsaktion in der Schorfheide, an einer von zweitausend Alteichen. Der Eberswalder Forstbiologe Ralf Kätzel will an das Erbgut dieser allmählich sterbenden Uraltbäume. Die Zeit drängt. Seit fünf Jahren ernten die Forscher Zweige, sogenannte Reiser, um daraus Klone, also direkte Nachfahren der Alteichen zu gewinnen. In ihren Genen stecken Jahrhunderte lange Erfahrungen mit eisigen Wintern und heißen Dürresommern.
O-Ton Prof. Ralf Kätzel:
Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde
„ Wir haben ja mit diesen Alteichen ein unschätzbares Naturerbe. Über vierhundert Jahre alt. Und die Frage ist, wie kann man das erhalten? Den einzelnen Baum können wir nicht erhalten. Er ist am Ende seines Lebens. Aber um eigentlich dieses genetische Potential der Bäume zu erhalten, müssen wir sie vermehren.“
Die Reiser werden an der landwirtschaftlich-gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin auf Jungeichenstämme gepfropft. Die beste Methode, um genetische Kopien der Alteichen zu züchten. Die Forscher hoffen damit, überlebensfähige Bäume für die Zukunft zu gewinnen. Mit einer großen Toleranz gegenüber künftigen Klimaextremen. Wenn die Mutterbäume 400 Jahre katastrophalste Wetterlagen überstanden haben, können genetisch identische Nachfahren das vielleicht auch. Mit Hilfe von fünfzigtausend Genen steuern die Eichen ihre Anpassungsfähigkeit. Ihre Jahrringe geben den Forschern Aufschluss darüber. Wie hier an einer 400-jährigen Eiche.
O-Ton Dr. Jens Schröder:
Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde
„Man sieht hier eine sehr deutlich eine Periode von Depression, die der Baum durchgemacht hat. Das ist die kleine Eiszeit oder die Auswirkungen der Kleinen Eiszeit in Europa. Der Baum hat sich darauf eingestellt, hat schmalere Jahrringe gebildet und diese schmalen Jahrringe auch lange Zeit durchgehalten, fast einhundert Jahre lang hat er auf diesem Minimalniveau, auf Kühlschrankniveau gelebt.“
Viele andere Bäume haben das nicht überstanden. Nun soll die neue Alteichengeneration in Brandenburgs Wäldern Fuß fassen. Rund zweitausend Bäume haben Ralf Kätzel und sein Team bereits gepflanzt.
O-Ton Prof. Ralf Kätzel:
Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde
„ Wir hoffen, dass sie mindestens auch vierhundert Jahre alt werden. Vom Potential her kann man erst mal erwarten, dass sie eine möglichst hohe Lebenserwartung haben. Wir wissen natürlich nicht, was die Zukunft bringt. Aber es ist eine Chance.“
Ausgerechnet junge Eichen leiden heute mehr als andere Baumarten am Klimastress und brauchen dringend solche Überlebensgene.
Ein Bericht von Maren Schibilsky.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_unterwegs_am13/eisige_erfahrungen.html