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Hildegard Knef (Montage, Quelle: dpa)

10. Todestag

Hildegard Knef: Für sie sollte es stets rote Rosen regnen

Sie war "die Knef", "the Knef", "la Knef", aber für die Berliner blieb sie immer "Hilde". "Ich bin in Berlin aufgewachsen und trage die Spuren mit mir herum", sagte sie irgendwann über ihr Verhältnis zu dieser Stadt. Schauspielerin, Schriftstellerin, Sängerin – Hildegard Knef war ein außergewöhnliches künstlerisches Talent  und eine Frau, die es unbedingt schaffen wollte. Das "Stehaufmädchen der Nation" nannte sie der "Spiegel" einmal: fleißig, mutig, schlagfertig und einfach nicht unterzukriegen. Nicht, als es mit der Karriere bergab ging, nicht als sie finanziell völlig am Boden war, nicht als ihr der Krebs die Gesundheit, aber nicht die Lebensenergie rauben konnte.

"Ich will, ich will"

Geboren als Hildegard Frieda Albertine am 28. Dezember 1925 in Ulm, aufgewachsen in Berlin-Schöneberg, am 1. Februar 2002 dort auch verstorben. Dazwischen eine halsbrecherische Biografie, die viel Stoff für die Boulevardpresse bot.

Hildegard Knef erster Filmauftritt in dem Probefilm 'Schauspielschule' von 1944; Quelle: rbb/Transit Film München

Erster Filmauftritt in dem Probefilm "Schauspielschule" von 1944 

"Für mich soll’s rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen … Ich will, ich will." In einem ihrer größten Chanson-Erfolge von 1968 beschwört sie den eigenen Lebenshunger. Bereits als Siebzehnjährige steht für sie fest, sie will Schauspielerin werden, berühmt werden. Gefördert durch einen einflussreichen Nazi-Geliebten, den sie nach der braunen Epoche schnell vergisst, schafft sie es noch zu Kriegszeiten in kleine Filmrollen. In den Nachkriegswirren flieht sie als Soldat verkleidet aus Berlin, landet in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager. Irgendwie gelingt ihr die Flucht. Hauptsache Überleben und durch, das scheint eine ihrer Devisen gewesen zu sein.

Gerade zwanzigjährig wird die Knef 1946 mit einem Schlag berühmt durch die Rolle einer KZ-Überlebenden im ersten deutschen Nachkriegsdrama "Die Mörder sind unter uns". Von nun an dreht sie einen Film nach dem anderen. Sie erhält Preise und ist schon bald nicht nur für die Berliner, sondern für die ganze Nation, das junge unverbrauchte Gesicht der Stunde Null: Eine Frau, die zupackt und nach vorne schaut – und nicht zurück.

Skandale und Proteste

Eine Frau mit Zukunft ist sie beruflich, eine öffentliche Person ebenso. Das ist ihr auch Recht. Wie die Luft zum Atmen braucht Hilde ihr Publikum und schert sich wenig um die Moral. 1950 provoziert sie den größten Skandal im deutschen Nachkriegskino: Sekundenlang ist sie nackt im Film "Die Sünderin" zu sehen. Es hagelt Proteste, Kinos werden verbarrikadiert, man diskutiert den Eklat sogar vor dem Bundesgerichtshof.

Auch weil sich das Trümmermädchenidol zur Kriegsbraut wandelte, als sie ihrem ersten Ehemann, einem amerikanischen Besatzungssoldaten, in die USA folgte, zeigte man ihr hierzulande nun die kalte Schulter. "Ich wusste nie", kommentierte Hildegard Knef die kollektive Entrüstung, "warum sie manchmal auf mir herumhackten, als hätte ich ihren Schrebergarten zertrampelt."

"Heimweh nach den Kurfürstendamm"

Die 30 besten Berlin-Filme

Hildegard Knef und Marlene Dietrich 1960 in Berlin 

Doch das Fräuleinwunder behauptet sich im Hollywood der 1950er-Jahre. Sie spielt an der Seite von Weltstars wie Ava Gardner und Tyrone Power, trinkt Champagner mit Marlene Dietrich, lernt Marilyn Monroe kennen. Und die Heimat verzeiht ihr. Als sie 1957 aus Hollywood nach Berlin zurückkehrt, wird sie vom Regierenden Bürgermeister Otto Suhr persönlich begrüßt. Sie lebt stilgerecht in einer Dahlemer Villa, doch als Schauspielerin will ihr das Comeback in Deutschland nicht so recht gelingen.

Völlig abgebrannt, erinnerte sich ihr zweiter Ehemann David Cameron, seien sie gewesen als seine Frau das Angebot annahm, mit ihren selbst getexteten, raffinierten Chansons auf die Bühne zu gehen. Doch mit rauer Sprech-Stimme revolutionierte Hilde die Schnulzenschlagerszene der Sechzigerjahre. Und setzte ihrer Heimatstadt mit Liedern wie "Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen", "Ich hab Heimweh nach dem Kurfürstendamm" und "In dieser Stadt" ein musikalisches Denkmal.

Karriere und andere Turbulenzen

Bis etwa Mitte der 1970er-Jahre erlebte sie ihren künstlerischen Zenit als Sängerin und Schriftstellerin. Der erste Teil ihrer literarischen Lebenserinnerungen, "Der geschenkte Gaul" (1970), wurde in über 20 Sprachen übersetzt; die detailgetreue Schilderung ihrer Krebserkrankung in "Das Urteil" (1973) sorgte für Furore.

Und dann war es mal wieder vorbei. 1980 wurde ihre "Welt-Tournee" mangels Interesse bereits in Wolfsburg vorzeitig gestoppt und ihr letzter autobiografischer Roman "So nicht" (1982) floppte. Zwar war Hilde mit ihren Operationen, Geldsorgen oder der letzten Ehe mit dem 15 Jahre jüngeren Paul von Schell noch immer in den Medien präsent, bei Auftritten jedoch hinterließ sie bisweilen einen etwas desolaten Eindruck, vielleicht auch in Folge des jahrelangen Alkohol- und Pillenkonsums.

Und immer wieder ein Comeback

Die Knef stellt ihr Hörbuch "Der geschenkte Gaul" vor.  

Doch zäh schaffte sie in den 1990er-Jahren ein Minicomeback: Wochenlang stand 1992 die mit Extrabreit aufgenommene Rock-Version ihres "Rote-Rosen"-Evergreens in den Hitparaden. Hunderte von roten Rosen regnete es zehn Jahre später bei ihrer Beerdigung in Berlin-Zehlendorf auf den Sarg. Und auch nach ihrem Tod bleibt sie in den Köpfen der Menschen präsent: Mit einer Musicalfassung vom "Geschenkten Gaul", mit dem "Hildegard-Knef-Platz", dem Kinofilm "Hilde", einem Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin. Am 1. Februar jährt sich ihr Todestag zum 10. Mal, ein Anlass für den rbb, die Künstlerin und den Menschen mit einer Gala, einem Porträt und der Ausstrahlung einiger ihrer besten Filme zu würdigen.

Hilde Knef – sie hat im miefigen Nachkriegsdeutschland Akzente gesetzt, sich den Weg nach oben erkämpft. Sie war rastlos, immer unterwegs, nie zufrieden. Ein wenig saß sie wohl auch zwischen den Stühlen: zu bodenständig für die Amerikaner, für die Berliner ein wenig zu mondän. Ihr ungenierter Drang zur Selbstdarstellung hat manchmal genervt. Aber sie traute sich was. Sie hatte den Mut zur Schwäche und den Willen zu siegen. Das hat sie groß gemacht. "Ich hab alles überstanden und es genossen, auch wenn es manchmal turbulent war", sagte sie einmal. Wer würde ihr da widersprechen? Sie hat gelebt.

Ula Brunner

Stand vom 27.01.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 27.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Interview

Fr 27.01.12 18:30

zibb
Paul von Schell

Paul von Schell im Gespräch

Der letzte Ehemann von Hildegard Knef spricht über seine Zeit mit der Schauspielerin. [zibb]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kultur/beitraege/2011/Fuer_sie_sollte_es_rote_Rosen_regnen.html

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